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Di 27.11.2001

Bulmahn: Klonversuche am menschlichen Embryo sind verantwortungslos

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn hat am 26. November 2001 den Klonversuch am menschlichen Embryo in den Vereinigten Staaten von Amerika verurteilt: "Solche Versuche sind verantwortungslos! In Deutschland sind therapeutisches und reproduktives Klonen verboten und das soll auch so bleiben. Die Bundesregierung setzt sich für eine internationale Ächtung des Klonens von Menschen ein." Bulmahn kritisierte darüber hinaus die USA, in denen für private und öffentlich finanzierte Forschung unterschiedliche Regeln gelten. "Dies ist eine Doppelmoral, die es bei uns nicht geben darf."

Am 25. November hatte Bulmahn zum Import embyonaler Stammzellen Stellung genommen. Für den Fall, dass der Bundestag nicht Anfang des kommenden Jahres den Import verbietet, empfahl sie strikte Auflagen für die gentechnische und biomedizinische Forschung. Import und Forschung sollten nur dann zulässig sein, wenn wirklich hochrangige Ziele verfolgt werden. Zudem müsse die Transparenz der Vorgänge gewährleistet sein. Verwendet werden dürften nur überzählige Stammzellen, deren Herkunft eindeutig registriert ist. Auch sei das Einverständnis der Spender erforderlich.

Stammzellen, die in einer frühen Phase der embryonalen Entwicklung gewonnen werden, ermöglichen kaum abzuschätzende medizinische Fortschritte. Die Lebenserwartung und -qualität von Menschen, die an chronischen Krankheiten, aber auch an akuten Organausfällen leiden, würden durch die neuen Therapieansätze steigen.

Import embryonaler Stammzellen nicht ausdrücklich verboten

Das Klonen von Menschen, also die künstliche Herstellung einer genetisch vollständig identischen Kopie eines Menschen, ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz von 1990 verboten. Ähnliches gilt für andere europäische Staaten und seit August auch für die USA. International bemüht man sich um verbindliche Regelungen für die Gentechnologie und ein weltweites Verbot des Klonens von Menschen. Dass das Klonen in der Gentechnologie heute möglich ist, wurde in den USA gezeigt, als im November 2001 erstmals ein menschlicher Embryo geklont wurde.

Eine Alternative zum Klonen ist die Gewinnung genetisch identischer Stammzellen aus Embryonen, die abgetrieben wurden oder bei der künstlichen Befruchtung übrig geblieben sind. In Deutschland ist dies ebenfalls verboten, da menschliches Leben auch im frühen Stadium zu schützen ist. Nicht ausdrücklich verboten ist jedoch der Import embryonaler Stammzellen aus Ländern, in denen die Herstellung durch Klonen oder die Gewinnung aus Embryonen erlaubt sind.

Zwei Expertenkommissionen

Der Deutsche Bundestag wird Anfang kommenden Jahres darüber diskutieren, ob der Import künftig gesetzlich verboten werden soll. Dabei wird er sich auf die Berichte zweiter Kommissionen stützen:

  • die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Recht und Ethik in der modernen Medizin", in der 13 Bundestagsabgeordnete und 13 Sachverständige arbeiten
  • den Nationalen Ethikrat, der aus 25 Persönlichkeiten besteht, die naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, soziale, rechtliche, ökonomische und ökologische Belange repräsentieren.

Die Enquete-Kommission hat in ihrem Bericht vom 12. November 2001 kein einheitliches Votum für oder gegen den Stammzellimport vorgelegt, sich aber mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Der Nationale Ethikrat wird seine Stellungnahme am 29. November 2001 vorlegen.

Bundesforschungsministerien unterstützt Erforschung adulter Stammzellen

Für den Forschungsstandort Deutschland ist eine baldige Entscheidung wichtig. Derzeit liegen Anträge für Forschungsprojekte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor, für die embryonale Stammzellen benötigt werden. Entscheidungen über diese Projekte wurden auf einen Zeitpunkt nach der Debatte im Bundestag verschoben.

Eine weitere Möglichkeit zur Forschung auf diesem Gebiet bietet die Nutzung adulter Stammzellen: Die Verwendung solcher Zellen vermeidet die ethischen Probleme, die bei der Gewinnung von Zellen aus Embryonen bestehen. Offen ist allerdings, ob sich bei ihrer Verwendung ähnlich aussichtsreiche Forschungen auf biomedizinischem Gebiet erwarten lassen. Entsprechende Projekte werden derzeit mit starker finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Hintergrund ist hier, dass adulte Stammzellen gegenüber embryonalen Stammzellen über ein reduziertes Entwicklungspotential verfügen. Die Zellen werden aus Organen erwachsener Menschen gewonnen und sind auch beispielsweise im Nabelschnurblut enthalten.
 

Quelle: Offizielle Homepage der Bundesregierung
            http://www.bundesregierung.de/top/dokumente/Artikel/ix_63589.htm

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