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Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Bayern

zum Nationalen Ethikrat

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Letzte Aktualisierung: 06.03.02

Prof. Dr. h.c. Lothar Späth

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Prof. Dr. h.c. Lothar Späth Jahrgang 1937, übernahm im Juni 1991 die Leitung der Jenoptik GmbH in Jena und ist seit der Umfirmierung zur Aktiengesellschaft zum 1. Januar 1996 Vorstands-Vorsitzender der Jenoptik AG.

Vom 30.8.78 bis 13.1.91 war er Ministerpräsident in Baden-Württemberg. In dieser Funktion war Lothar Späth 1985 Präsident des Deutschen Bundesrates und von 1987 bis 1990 Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit.

Außerdem bekam er zweimal die Ehrensenatorwürde und einmal die Ehrendoktorwürde verliehen, sowie eine Honorarprofessur für das Fachggebiet Medien und Zeitdiagnostik. Wer in live sehen will, sollte sich die wöchentliche Talkshow "Späth am Abend"auf n-tv ansehen, die er seit 1998 moderiert.

Er nahm in dem endgültig formierten Nationalen Ethikrat den Platz ein, den das Kanzleramt zunächst dem aus dem Amt geschiedenen Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Hans-Peter Stihl, zugedacht hatte. An seiner Stelle soll der CDU-ler Lothar Späth eine bestimmte "gesellschaftliche Gruppe" repräsentieren. Hierbei fungiert er als Gegenpol zu den Gewerkschaften. (Siehe dazu Heinz Putzhammer, Mitglied im Vorstand des DGB.)
 

Quelle: Lebenslauf auf der Homepage der Jenoptik AG, FAZ 10.05.01
Foto: Jenoptik AG
 

Antworten auf bioethische Fragen

Manch einer hat sich vielleicht immer wieder gefragt, warum der Kanzler gerade diesen oder jenen für seinen Rat ausgewählt hat. Bei Lothar Späth habe ich mich das offengestanden anfangs auch gefragt. Denn zu bioethischen Themen war zu ihm bisher nichts zu finden. Die genauere Beschäftigung mit der Jenoptik AG förderte jedoch einige interessante Erkenntnisse hervor, die nach Durchsicht des Geschäftsberichtes in Bezug auf ethische Fragen nicht uninteressant sein dürften.
Sei ein Schelm der denkt, dass bei seinen Entscheidungen vielleicht wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen könnten.

Erwähnenswert daher folgender Hinweis zum Thema Biotechnologie und Geschäft:

"... Darüber hinaus haben wir vor einigen Wochen die Mehrheit an dem erfolgreichen Ingenieurunternehmen Lang und Peitler Automation GmbH erworben. Damit verstärken wir unsere Kapazität vor allem für den Chemie-, Biotechnologie- und Pharmamarkt. ...
Mit herzlichen Grüßen
Dr. h.c. Lothar Späth,
Vorsitzender des Vorstandes"

(Quelle: "Auszüge aus dem Geschäftsbericht Jenoptik 2000, veröffentlicht am 9. April 2001, Vorwort des Vorstandes)

Um zu verdeutlichen, was dies wohl bedeutet, hier eine Auflistung aus dem veröffentlichten Geschäftsbericht im Zusammenhang mit der Biotechnologie:
(Anmerkung: Die bloße Herausstellung dieser Tätigkeiten soll keinerlei Wertung über die Arbeit der Jenoptik darstellen, sondern lediglich einige Denkanstöße geben. Schließlich ist die Jenoptik AG auch noch in anderen Bereichen tätig. Wen das interessiert, der kann sich selber ein bischen auf deren Homepage umsehen.)

Unternehmensbereich Asset Management

"Biotechnologie:

  • Die Dyomics GmbH (37,5 Prozent-Anteil) entwickelt funktionelle Farbstoffe für Diagnose und Analyseverfahren in der Biotechnologie.
  • Die EPIDAUROS Biotechnologie AG (5 Prozent-Anteil forscht nach genetischen Mustern, die für die unterschiedlichen Reaktionen von Patienten auf Medikamente verantwortlich sind.
  • Das Know-how der BIO MEDICAL GmbH (30 Prozent-Anteil) verspricht eine völlig neuartige Behandlung verschiedener Arten des Krebses,insbesondere der Leukämie. ...
  • Mit der Integrated Genomics, Inc. (8 Prozent-Anteil) ist die DEWB die erste US-amerikanische Beteiligung eingegangen. Das Unternehmen entwickelt Bioinformatik-Tools zur funktionalen Genomanalyse.
  • Medikamente zur Krebs-und Schmerzbehandlung stellt die NOXXON Pharma AG (5,5 Prozent-Anteil) her. Das Unternehmen geht mit der weltweit patentierten Spiegelmer-Technik neue Wege in der Medikamentenentwicklung.
  • Eine Ausgründung aus der Jenoptik Mikrotechnik ist die MILDENDO Gesellschaft für mikrofluidische Systeme mbH (100Prozent). Das Unternehmen fertigt mikrofluedische Komponenten und Systeme in Kunststoff, die in der Biotechnologie, chemischen Analytik und Pharmazie eingesetzt werden.
  • Die ALVID Biotechnologie GmbH (25-Prozent-Anteil) stellt Basismaterial her zur Vermehrung körpereigener Zellen zur Hertellung künstlicher Organe für die Transplantationsmedizin."

Quelle: Geschäftsbericht 2000 (veröffentlicht am 9. April 2001, auf der Homepage der Jenoptik AG)

Alle weiteren finanziellen Zusammenhänge bezüglich Umsatz etc. spare ich mir hier, um mich nicht in Bilanzen und Aktiengeschwafel auszulassen. Es wäre aber meiner Meinung nach naiv zu glauben, dass bei bestimmten Entscheidungen in ethischen Fragen das eigene Unternehmen nach hinten gerückt würde, wenn einem Geldgeber in Form von Aktionären im Genick sitzen. Angesichts der oben aufgeführten Verknüpfungen mit massiven wirtschaftlichen Interessen darf man auf Statements von Lothar Späth in bioethischen Fragen gespannt sein.

Konkrete Statements zu Themen der Bioethik waren bisher nicht zu vernehmen. Dies macht es schwierig, ihn einzuschätzen. Aber es bleibt zu hoffen, dass sich das bald ändert.

Für Hinweise diesbezüglich sind wir sehr dankbar. In Zeitungsarchiven finden sich zwar hunderte von Artikeln, aber nichts was irgendwie auf eine Position zu relevanten Themen hinausläuft.

 

Gesammelte Texte und Links zu Lothar Späth

http://www.jenoptik.de/
Die Internetseiten der Jenoptik GmbH

Lebenslauf von Lothar Späth
Im PDF-Format zum downloaden

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Anmerkung: Hier wird auch Lothar Späth porträtiert

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