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Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Bayern

zum Nationalen Ethikrat

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Letzte Aktualisierung: 24.01.02

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff ist Moraltheologe und vertritt die katholische Kirche im Ethikrat. Er verdankt seine Berufung nur dem Umstand, dass ohne ihn der Ethikrat beinahe auseinander gefallen wäre.

Denn der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, wollte ursprünglich Bischof Gebhardt Fürst nach der Nominierung des evangelischen Staatsrechtlers Prof. Dr. Horst Dreier, dem Ersatzmann für den katholischen Staatsrechtlers Beckenförde, zurückziehen. Dreier vertritt im Gegensatz zu dem gentechnisch skeptischen Beckenförde, die Auffassung, dass Embryonen keine Menschenwürde zukommt.

Der Rückzug von Bischof Fürst wiederum hätte auf evangelischer Seite Bischof Wolfgang Huber unter Druck gesetzt, ebenfalls den Rat zu verlassen. Damit wäre das Gremium dann zu einem offenkundigen Legitimationsapparat des Kanzlers geworden. Somit wäre der Ethikrat auch für den Kanzler wertlos geworden. So wurde dem Bitten Lehmanns stattgegeben und Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff einberufen. Schockenhoff fürchtete jedoch um seine Unabhängigkeit und wollte zunächst überhaupt nicht in den Rat. Außerdem stieß ihm die rüde und späte Einladungspraxis des Kanzleramtes auf. Erst später schlug er, vom Kardinal überzeugt, doch noch ein.

Quelle: Tagesspiegel 15.05.01
 

Lebenslauf

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, geboren am 29. März 1953 in Stuttgart, studierte von 1972 bis 1979 in Tübingen und Rom Theologie.

1978 erfolgte die Priesterweihe in Rom sowie 1979 ein Lizenziat in Moraltheologie. Von 1979 bis 1982 übte er eine praktische Seelsorgertätigkeit als Vikar in Ellwangen und Stuttgart aus. Anschließend war er Repetent im Wilhelmsstift in Tübingen.

1986 erfolgte die Promotion zum Dr. theol., 1989 die Habilitation. Dazwischen war er von 1986 bis 1989 Assistent an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen

1990 bis 1994 war er Professor für Moraltheologie an der Universität in Regensburg

Seit 1994 ist er Professor für Moraltheologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i.Br.

Quelle: http://www.ruf.uni-freiburg.de/theologie/person/schocken.htm
Dort finden sich auch alle Publikationen von Schockenhoff.

 

Antworten auf bioethische Fragen

Insgesamt dürfte Schockenhoff wohl zu den wenigen Kritikern im Ethikrat zählen. Er machte laut einem Artikel in der Welt vom 17.05.01 auch gleich klar, worum es ihm im Ethikrat geht: Er wolle dort "den bestehenden Dissens" über die Biotechnologie deutlich machen. Also genau das Gegenteil von dem, was die anderen Mitglieder wollten, nämlich Konsens.

Andere Aussagen verdeutlichen ebenfalls seine kritische Haltung in bioethischen Fragen. Nachfolgende Statements stammen aus einem Interview mit der WELT vom 16.05.01

"Als systematischer Ethiker betrachte ich anstehende Entscheidungen wie zum Beispiel die Präimplantationsdiagnostik und das therapeutische Klonen nicht nur vor dem Hintergrund kurzfristiger Interessen, sondern im Licht ethischer Prinzipien wie der Menschenwürde oder dem Tötungsverbot."

Bezüglich einer Grenzziehung für die Gentechnik sagte er in diesem Interview: "Es geht nicht darum, die Nutzung der Gentechnik insgesamt einzuschränken oder gar zu verbieten. Im Gegenteil, es herrscht ein breiter Konsens darüber, dass die Gentechnik große therapeutische Potenziale erschließen kann. Da ist es auch sinnvoll und ethisch begründet, die Forschung in diese Richtung zu treiben. Wo wir aber menschliches Leben als Forschungsmaterial verbrauchen, ist eine Grenze erreicht, die mit unseren ethischen Prinzipien unvereinbar ist. Deswegen bin ich gegen eine Legalisierung der PID und des therapeutischen Klonens."

Zum Thema Nachteile im internationalen Wettbewerb durch eine restriktive Politik in Sachen Gentechnik vertrat er den Standpunkt, dass ethische Prinzipien durch ökonomische Nutzenerwägungen nicht aufgehoben werden Weiter sagte er: "Zudem gibt es unterschiedliche Rechtstraditionen. Wenn die USA die Todesstrafe praktizieren, ist das für uns kein Grund, unsere eigenen Bestimmungen zu lockern." Für ihn stellt sich daher die Frage, warum das im Blick auf das Embryonenschutzgesetz anders sein solle. In der Konsequenz könnte das allerdings auch bedeuten, "dass wir zeitweilig einen Rückstand der Forschung auf diesem Gebiet hinnehmen müssen."

 

Kontaktadresse

Herr
Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Institut für Systematische Theologie
AB Moraltheologie
Werthmannplatz 3
79098 Freiburg

 

Gesammelte Texte zu Eberhard Schockenhoff

Der Kardinal und das Kanzleramt. Wie Gerhard Schröder fast der Nationale Ethikrat auseinandergefallen wäre
TAGESSPIEGEL 15.05.01

"Lehmann setzt Nachnominierung für Ethikrat durch" - Schröder beruft den Moraltheologen Schockenhoff
Vorsitzender der Bischofskonferenz soll mit Rückzug der katholischen Kirche aus dem Gremium gedroht haben
Von Matthias Drobinski
München - Offenbar hat Bundeskanzler Gerhard Schröder nur durch die Nachnominierung des Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff verhindert, dass die katholische Kirche den Nationalen Ethikrat verlässt, der das Kanzleramt in Fragen der Bio-Ethik beraten soll.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 16.05.01

"Die Ethik setzt klare Grenzen"
Berlin/Freiburg - Mit der Berufung des katholischen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff (Universität Freiburg) ist der Nationale Ethikrat komplett. Mit ihm sprach Claudia Roth.
DIE WELT 16.05.01

"Professionalisierte Konsensfindung"
Von Matthias Kamann
Eberhard Schockenhoff hat die Gunst der Stunde genutzt. Als der katholische Theologe vor zwei Tagen als vorletztes Mitglied des Nationalen Ethikrates nachberufen wurde und somit nicht als einer von 25, sondern als Einzelner im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, hat er sofort verkündet, was er in dem Gremium vorhat: Er wolle dort "den bestehenden Dissens" über die Biotechnologie deutlich machen. Da war es heraus: Schließlich bezeichnet Dissens das Gegenteil dessen, was bisher von fast allen anderen Mitgliedern als Ziel beschworen wurde: Konsens.
DIE WELT 17.05.01

Das Leben und andere Kleinigkeiten - Drei Fragen an den Nationalen Ethikrat
Eine SZ-Befragung unter allen 25 Mitgliedern sollte Klarheit darüber bringen, ob sich, wie von vielen Kritikern befürchtet, bereits jetzt in entscheidenden Punkten ideologische Fronten innerhalb des Ethikrates gebildet haben. Ein Schwerpunkt wurde bei der Embryonenforschung gesetzt. Wir fragten aber auch dezidiert nach dem Zeitpunkt des Beginns von menschlichem Leben. Elf Ethikräte erklärten sich bereit, konkret zu den folgenden drei Fragekomplexen Stellung zu nehmen:
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 30.05.01

Eberhard Schockenhoff - Wer denkt, macht manchmal Fehler
Stellungnahmen zu den drei Fragen der Süddeutschen Zeitung vom 30.05.01
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 30.05.01

Menschenwürde kann nicht zugewiesen werden
Harte Kritik am Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Hubert Markl: Der Freiburger Moraltheologe Professor Eberhard Schockenhoff, Mitglied des Nationalen Ethikrats, wirft dem Naturwissenschaftler vor, bei der Frage der Menschenwürde einen "entscheidenden Denkfehler" zu machen. Peter Schmalz sprach mit Professor Schockenhoff.
BAYERNKURIER 28/01 vom 12.07.01

Der Ethikrat stimmte zur Probe über den Import von Stammzellen ab
Dabei ergab sich eine Mehrheit für den Import von Stammzellen. Die Probeabstimmung des nationalen Ethikrates fand bereits im September statt. Aber erst jetzt gab der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff bei einer Podiumsdiskussion das Ergebnis bekannt.
DEUTSCHLANFUNK 23.10.01

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