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Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Bayern

zum Nationalen Ethikrat

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Letzte Aktualisierung: 24.07.02

Prof. Dr. Jens Reich

Wohl kaum jemand im Ethikrat ist so facettenreich wie Jens Reich. Er betätigte sich sowohl politisch als auch wissenschaftlich.

Als Bürgerrechtler war er der Stasi ein Dorn im Auge. Später war er Mitbegründer des Neuen Forums und im Jahr 1994 Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen für das Amt des Bundespräsidenten.

Prof. Dr. Reich ist außerdem Molekularbiologe und leitet die Arbeitsgruppe Bioinformatik am Berliner Max-Delbrück Centrum.

Des weiteren gehört er der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer an.

Zudem betätigt sich auch als Essayist und sucht die Öffentlichkeit, um sie laut FAZ dem Idealzustand der "aufgeklärten Gesellschaft" näherzubringen. So fanden sich zu ihm zahlreiche Artikel. (Siehe unten.) Zuversicht und Skepsis halten sich bei seinem Blick in die Zukunft die Waage. Ich würde ihn insgesamt als als kritischen Bioethikbeobachter einstufen, bei dem man jedoch nicht genau weiß, ob er nicht doch zu gegebener Zeit umschwengt.

In der ZEIT 27/2000 plädierte er dafür, die Förderung der Erforschung von schweren Krankheiten und die Entwicklung von Wirkstoffen nach genomischen Prinzipien in Deutschland erheblich zu intensivieren. Genetische Qualitätskontrollen von Menschen, geborenen wie ungeborenen, sollten jedoch tabu bleiben. Menschliche Embryonen dürften nicht eingesetzt werden, auch wenn die Ziele noch so nobel sein sollten. Der Eingriff in die menschliche Keimbahn dürfe kein Forschungsziel sein und muss verboten bleiben. Er ist der Meinung, dass wir nicht alles mitmachen müssen, was von außen auf uns eindrängt; allerdings müssten wir die Konsequenzen des Verzichts rational abwägen und sie dann ertragen.

Ergänzung 27.01.02

Bezüglich seiner Entscheidung im Ethikrat über ein Importverbot embryonaler Stammzellen erklärte er in der TAZ, er sei sogar für ein Moratorium gewesen.

Als Gründe dafür gab er an, er sei einerseits dafür, dass Embryonen im Sinne des Embryonenschutzgesetzes von der Befruchtung der Eizelle an Menschen sind. Deshalb sei er der Überzeugung, dass sie nicht für solche Versuche eingesetzt werden sollten. Zum anderen fände er die Bedingungen, die an eine Zustimmung geknüpft werden, nicht konsistent.

Konkret auf die diversen Auflagen angesprochen, die beim Import eingehalten werden sollen, meinte er, der Nachweis eines hochrangigen medizinischen Ziels sei ihm bei einer so weit reichenden Entscheidung zu theoretisch, ebenso dass keinerlei Forschungsalternative bestehen darf. So etwas könne man nie schlüssig nachweisen.

Mit diesem Statement dürfte Reich nun wohl unzweifelhaft zu den kritischen Leuten im Ethikrat zählen. Sehr erfreulich, nachdem anfänglich nicht so ganz eindeutig war, wo er wohl steht.
 

Quelle: FAZ 10.05.01, Die Zeit 27/2000 TAZ 26.01.02 und andere (siehe unten)

 

Kontaktadresse

Herr
Prof. Dr. Jens Reich
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin

 

Gesammelte Texte zu Jens Reich

Klonen ist nicht nur ein Alptraum
Viele Kritiker machen es sich im Namen der Moral viel zu einfach / Essay von Jens Reich
DIE WELT 05.02.99

Vom Atom zum Genom
Gastkommentar von Jens Reich
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Das menschliche Erbgut ist keine Getreidesorte
Artikel von Jens Reich über die wirtschaftlichen Folgen des Wettstreits um die Patentierung der Gene
DIE WELT 13.04.00

Ein Fest der Forschung
Die Karte des Erbguts liegt vor. Wir müssen lernen, sie zu lesen
von Jens Reich
Die Zeit 27/2000

Unruh in Mendels Garten
Ein Plädoyer für mehr Kooperation zwischen Geistes- und Naturwissenschaften
Von Jens Reich
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"Der perfekte Mensch bleibt Utopie"
Der Bioinformatiker Jens Reich plädiert für enge Grenzen bei der Anwendung der Gentechnik
Ein Interview
DIE WELT 01.02.01

Eine weitere metaphysische Kränkung des Menschen
Das Genom ist entschlüsselt - der medizinische und humanbiologische Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen
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DIE WELT 20.02.01

Viel Text, wenig Sinn
Das entzifferte menschliche Genom bietet keinen Anlass für Stolz und Allmachtsfantasie
Von Jens Reich, Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum in Berlin
DIE ZEIT 08/2001

Ein Kanzleramts-Ethiker mit Bedenken
Von Ulrich Clauss
Der Bundestag ist das einzige Gremium, das die verfassungsmäßige Kompetenz habe, zu entscheiden, wann das menschliche Leben beginnt - und nicht der Kanzler. Das sagt der von Schröder in seinen Ethikrat berufene Berliner Mediziner und Biochemiker Jens Reich.
DIE WELT 18.05.01

Jens Reich: Abwägung von Chancen und Risiken der Gentechnik ist unmöglich
Der Molekularbiologe und Bürgerrechtler Jens Reich fordert in einem Interview mit der Netzeitung "qualitative" politische Entscheidungen in der Bioethik-Diskussion. Er glaubt, dass das Klonen von Menschen kaum zu verhindern sein wird.
NETZZEITUNG.DE 25.06.01, ergänzt 26.06.01

Genmedizin: "Zurück in die Labors!"
Die Erforschung des menschlichen Erbgutes liefert nicht nur Erkenntnisse, sondern wirft vor allem neue Fragen auf. Auf dem Berliner Wissenschaftssommer räumten Forscher ein, dass sie noch weit davon entfernt seien, eine Vielzahl von Krankheiten durch "Genmedizin" zu behandeln.
IDW, Pressemitteilung Wissenschaft im Dialog gGmbH 14.09.01

Reich: Zentrale Fragen in der Gendebatte ungeklärt
Nationaler Ethikrat diskutiert über Stammzellen-Import
Von Nina Klein
Berlin - Am Donnerstag tritt der Nationale Ethikrat zusammen, um über den Import embryonaler Stammzellen (ES) zu diskutieren. Während der Sommerpause wurde die Gendebatte auf neue Grundlagen gestellt: Zum einen konnte an der Universitätsklinik Düsseldorf erstmals mit ethisch unbedenklichen adulten Stammzellen (AS) ein Heilungserfolg bei Herzinfarktpatienten erzielt werden. Zum anderen legte US-Präsident Bush die Förderrichtlinien für die Forschung an ES restriktiver aus als erwartet.
DIE WELT 27.09.01

Angst vor dem Dammbruch
Soll der Bundestag den Import von embryonalen Stammzellen erlauben? Die Empfehlung des Kanzlergremiums spaltet das Parlament - und ganz besonders die Union.
Im entscheidenden Moment fehlten drei Geistesgrößen. Der eine musste dringend nach Hause, zwei andere waren nicht erschienen, als der Nationale Ethikrat zur Abstimmung schritt. "Ich habe in Wien einen Vortrag gehalten", entschuldigte sich der Berliner Biologe und Bürgerrechtler Jens Reich, "den konnte ich doch nicht absagen, nur weil der Ethikrat tagt."
SPIEGEL 03.12.01

: "Ich befürworte ein Moratorium"
Interview Wolfgang Löhr mit Jens Reich zum Thema Stammzellen
TAZ 26.01.02

Pro und Contra zugleich in der Stammzelldebatte
Pro und Contra zugleich in der Stammzelldebatte
Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde." So steht es in der Bibel, in der Offenbarung des Johannes. Und so ähnlich sagt es Jens Reich.
NETZEITUNG.DE 12.04.02

Gastkommentar: Fragwürdiger Schutz für Gene
Von Jens Reich
Deutschland setzt die Europäische Biopatentrichtlinie vorerst nicht um - für die Forscher ist das gut, denn durch das Regelwerk würden sie an Grenzen stoßen, die kaum zu rechtfertigen sind.
Die europäische Biopatentrichtlinie wird vor der Bundestagswahl nun nicht mehr in deutsches Recht umgesetzt.
FTD FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.6.02

Gene in Gefahr
Kommt das Ende des Menschen? Der amerikanische Politologe Francis Fukuyama warnt vor den Folgen der Biotechnologie - er setzt aber auf Moral und staatliche Kontrollen
Von Jens Reich
TAGESSPIEGEL 01.07.02

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