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Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Bayern

zum Nationalen Ethikrat

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Letzte Aktualisierung: 24.01.02

Prof. Dr. Horst Dreier

Prof. Dr. Horst Dreier ist Staatsrechtler, der an der Universität Würzburg lehrt. Sein Platz war ursprünglich vom Kanzleramt für den gentechnisch skeptischen Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde zugedacht. Der frühere Bundesverfassungsrichter Böckenförde war erst wenige Tage vor der Beschlussfassung des Kabinetts in den Ethikrat gebeten worden. So wie alle anderen, deren Haltung in bioethischen Fragen als nicht opportun erschien.

Der katholischen Staatsrechtslehrer weigerte sich jedoch aus Gründen der Selbstachtung dem Ruf zu folgen, da er nicht in einem Gremium mitwirken wollte, das ein Fremdkörper in der parlamentarischen Demokratie ist.

Daher nahm der evangelische Staatsrechtslehrer Prof. Dreier seine Stelle ein. Somit sitzt nun bezüglich bioethischen Fragen wieder ein Kritiker weniger im Ethikrat, wie weiter unten deutlich wird.

Lebenslauf

Prof. Dr. Horst Dreier wurde 1954 in Hannover geboren. Von 1975 bis 1981 studierte er dort die Rechtswissenschaften. Anschließend ging er als Assistent zu Prof. Dr. Hasso Hofmann an die Universität Würzburg. 1985 promovierte er mit einer Arbeit über einen der bedeutendsten Juristen des 20. Jahrhunderts, den österreichischen Rechtstheoretiker Hans Kelsen.

Im Juli 1989 habilitierte sich Prof. Dreier an der Universität Würzburg für die Fächer Öffentliches Recht, Rechtstheorie und Verwaltungswissenschaften. Im Wintersemester 1989/90 vertrat Prof. Dreier hier den Lehrstuhl seines Habilitationsvaters, in den beiden folgenden Semestern den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Rechtstheorie und Kirchenrecht an der Universität Heidelberg. Ende 1990 wurde er dort auf die C 3-Professur Öffentliches Recht berufen. Kurz darauf folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für "Öffentliches Recht und Verwaltungslehre" am Fachbereich Rechtswissenschaft I der Universität Hamburg, Dort lehrte er von 1991 bis 1995.

Seit dem Wintersemester 1995/96 ist er Ordinarius für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht an der Juristischen Fakultät der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seine Lehrveranstaltungen zum Staats- und Verfassungsrecht wurden dort von den Studierenden in drei aufeinander folgenden Semestern zur "besten Vorlesung" gewählt.

Professor Dreier ist seit 1996 Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes. Bei den letzten Wahlen der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG wurde er im Wintersemester 1999/2000 zum Fachgutachter für das Gebiet "Rechts- und Staatsphilosophie" gewählt. Am 2. März 2000 bekam er vom Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst einen "Preis für gute Lehre 1999" verliehen.

Seit April 2000 ist Professor Dreier Mitglied des wissenschaftlichen Kuratoriums der F.E.S.T. (Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V.). Durch Beschluss des Bundeskabinetts vom 2. Mai 2001 wurde er zum Mitglied des Nationalen Ethikrates berufen.

Publikationen

Professor Dreier ist Herausgeber eines dreibändigen, neu konzipierten Grundgesetz-Kommentars; Bd. 1 (Art. 1-19) ist 1996, Bd. 2 (Art. 20-82) im Jahre 1998, Bd. 3 (Art. 83-146) im Jahre 2000 erschienen.

Des weiteren ist er Mitherausgeber der Zeitschriften "Die Öffentliche Verwaltung" und der "Zeitschrift für Gesetzgebung. Vierteljahresschrift für staatliche und kommunale Rechtsetzung" sowie der "Würzburger Vorträge zur Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Rechtssoziologie".

Quelle Lebenslauf und Publikationen:
http://www.uni-wuerzburg.de/dreier/dreier.html

 

Antworten auf bioethische Fragen

Laut FAZ zählt der Jurist Prof. Dreier zu den schärfsten Kritikern der Auslegung der Menschenwürde im Grundgesetz durch das Bundesverfassungsgericht.

In dem Satz "Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu" erkennt Dreier angeblich einen biologistisch-naturalistischen Fehlschluss. Seiner Meinung nach fehle es vor allem dem Embryo "an allen Voraussetzungen (Ich-Bewusstsein, Vernunft, Fähigkeit zur Selbstbestimmung), die für die Menschenwürde konstitutiv sind".

Nach Ansicht Dreiers sprechen die zwangläufigen Wertungswidersprüche des Bundesverfassungsgerichts zum Schwangerschaftsabbruch dafür, den Schutz des ungeborenen Lebens nicht aus der Menschenwürde (Artikel 1 des Grundgesetzes) abzuleiten. Sie sollten als "gestufte Lösungen gemäß den verschiedenen Entwicklungsstadien menschlichen Lebens" auf das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Artikel 2) bezogen werden. Infolge der logisch zwingenden Trennung von der Garantie der Menschenwürde und dem Lebensschutz hält Dreier laut FAZ den Gesetzgeber für befugt, das Embryonenschutzgesetz "vor allem zugunsten von Forschung und Wissenschaft" zu lockern.

Stellt sich die Frage, welchen Einfluss Dreier im Ethikrat mit diesen Ansichten haben wird. Bezüglich der Forschung mit embryonalen Stammzellen dürfte seine Meinung damit wohl klar sein.

Quellen: FAZ 10.05.01, Tagesspiegel 15.05.01 und Homepage der Uni Würzburg http://www.uni-wuerzburg.de/rechtsphilosophie/dreier.html

 

Kontaktadresse

Herr
Prof. Dr. Horst Dreier
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Lehrstuhl für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht
Domerschulstraße 16
97070 Würzburg

Tel.: 0931 / 312321
Fax: 0931 / 312911
E-Mail: dreier@mail.uni-wuerzburg.de

Internet: http://www.uni-wuerzburg.de/

 

Gesammelte Texte zu Horst Dreier

Der Kardinal und das Kanzleramt. Wie Gerhard Schröder fast der Nationale Ethikrat auseinander gefallen wäre
TAGESSPIEGEL 15.05.01

http://www.uni-wuerzburg.de/rechtsphilosophie/dreier.html
Lehrstuhl für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht

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